Die Chemotherapie beim Glioblastom

Temozolomid kann in Tablettenform selbstständig zu Hause eingenommen werden und ist insgesamt gut verträglich. Viele Patientinnen und Patienten haben keine relevanten Nebenwirkungen unter der Chemotherapie und fühlen sich nicht in ihrem normalen Leben eingeschränkt. Wenn Nebenwirkungen auftreten, so sind dies am häufigsten Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Myelosuppression (Erniedrigung der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) bzw. der neutrophilen
Granulozyten oder Lymphozyten (Untergruppen der Leukozyten) aber auch der Thrombozyten (Blutplättchen)). Unter Umständen kann es auch zu einer Erhöhung der Leberwerte kommen.

Wenn Nebenwirkungen auftreten, sollten Sie dies der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt mitteilen, um die Behandlung zu optimieren. Übelkeit und Erbrechen können meistens mit Medikamenten deutlich gebessert
werden.

Die Chemotherapiedosis wird von den Ärztinnen und Ärzten errechnet und richtet sich bei den meisten Substanzen, wie auch dem Temozolomid, nach der Körperoberfläche (KOF) der Patientinnen und Patienten, die wiederum aus Größe und Gewicht errechnet wird. Insofern ist es hilfreich, wenn Sie Ihre aktuelle Größe und Ihr Gewicht beim Arztbesuch wissen.

Zur Vermeidung von Übelkeit und Erbrechen wird jeweils schon prophylaktisch ein Medikament gegen Übelkeit eingesetzt. Das heißt, Sie nehmen normalerweise 30 Minuten vor der Chemotherapie ein zusätzliches Medikament gegen Übelkeit (wie z. B. Metoclopramid oder Ondansetron) ein. Sollte dies nicht ausreichend sein, dann kontaktieren Sie bitte Ihre behandelnde Ärztin bzw. Ihren behandelnden Arzt. Bei einigen Patientinnen und Patienten kann es notwendig sein, die Übelkeitsprophylaxe zu verstärken.

Während der gesamten Therapie und bis mindestens vier Wochen nach Beendigung, sind regelmäßige Laborkontrollen notwendig. Es wird empfohlen, wöchentlich ein Blutbild und alle vier Wochen ein Differenzialblutbild, inklusive der Elektrolyte, Gerinnungsparameter sowie der Leber- und Nierenwerte zu erstellen.

Alle Ergebnisse der Laborkontrollen sollten stets zur nächsten Wiedervorstellung bei Ihren Ärztinnen und Ärzten, die mit Ihnen die Chemotherapie durchführen, mitgebracht oder vorab regelmäßig gemailt bzw. gefaxt werden. Sollten Sie sich vorübergehend im Urlaub oder aus sonstigen Gründen auswärts befinden, so ist es normalerweise kein Problem, auch an anderen Orten (auch im Ausland) eine entsprechende Laborkontrolle durchzuführen.

Beachten Sie bitte, dass für die unmittelbare Befundung Ihrer Laborwerte, die Ärztinnen und Ärzte verantwortlich sind, die bei Ihnen die
Laborkontrolle durchgeführt haben, auch wenn Sie diese regelmäßig nach der Abnahme an Ihre, die Chemotherapie betreuenden, Ärztinnen und Ärzte mailen oder faxen.

Bitte informieren Sie Ihr behandelndes Team zusätzlich, wenn Ihre Thrombozyten (Blutplättchen) unter 50.000/μl oder Ihre neutrophilen Granulozyten unter 1.000/μl (bzw. 1/nl) fallen. Bei Lymphozyten unter 500/μl (bzw. 0,5/nl) empfehlen wir eine Prophylaxe mit einem Antibiotikum, wie z.B. Cotrimoxazol.

Während der etwa sechswöchigen Strahlentherapie nehmen Sie jeden Tag Temozolomid in einer Dosis von 75 mg/m2 Körperoberfläche ein, wobei Ihnen die Dosis durch Ihr behandelndes Ärzteteam vorgegeben wird. Die Tabletten werden in der Regel nüchtern eingenommen.

Nach dem Abschluss der kombinierten Strahlen-/ Chemotherapie haben Sie etwa vier Wochen Pause, in denen Sie jedoch weiterhin Laborkontrollen
durchführen lassen sollten. Meistens wird vier Wochen nach Ende der Bestrahlung eine neue MRT-Untersuchung gemacht und die Chemotherapie
in einer anderen Dosierung fortgesetzt (Erhaltungschemotherapie): an jeweils fünf von 28 Tagen (sogenanntes 5/28-Tage-Schema) wird Temozolomid in einer Dosierung von 150 mg/m2 Körperoberfläche morgens nüchtern über fünf Tage und bei guter Verträglichkeit und regelrechten Laborwerten ab dem zweiten Zyklus mit 200 mg/m2 Körperoberfläche eingenommen. Die Dosis wird jeweils vorab mit Ihnen besprochen. Die Einnahme an fünf von 28 Tagen nennt sich jeweils ein Zyklus der Chemotherapie; insgesamt sind sechs solche Zyklen geplant. Vor Beginn eines jeden Zyklus findet eine Wiedervorstellung bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit Kontrolle der erfolgten Laboruntersuchungen sowie Besprechung möglicher Nebenwirkungen und Ihres Befindens statt.

Während der kombinierten Radiochemotherapie wird meist zusätzlich noch ein Antibiotikum (z. B. Cotrimoxazol) gegeben, um eine Lungenentzündung mit einem seltenen Keim zu vermeiden. Die Antibiotikagabe kann unter gewissen Voraussetzungen auch im weiteren Verlauf, während der Erhaltungschemotherapie erfolgen.

Aktivitäten während der Chemotherapie: Sofern Sie die Chemotherapie gut vertragen und bei Ihnen keine relevanten Laborwertveränderungen auftreten, dann können Sie auch in dieser Phase aktiv sein, Sport treiben oder sogar in den Urlaub fahren. Empfehlenswert ist sicherlich, dass Sie sich vor Infektionen in dieser Zeit schützen, besondere Maßnahmen müssen Sie allerdings hierfür nicht treffen. Inklusive der Strahlen-/Chemotherapie direkt nach der Operation, sind Sie also zunächst etwa neun Monate beschäftigt, können jedoch normalerweise alles ambulant durchführen lassen. Kombinationschemotherapie: Für einige Patienten, deren MGMT-Status als methyliert nachgewiesen wurde (in Ihrem Arztbrief finden Sie z.B. die Befundung: MGMT-Promotor methyliert) kann es unter Umständen sinnvoll sein, dass Sie nicht nur mit Temozolomid sondern in Kombination mit einem zweiten Chemotherapeutikum (CCNU, Lomustin) behandelt werden. Bitte besprechen Sie dies mit Ihrer behandelnden Ärztin bzw. Ihrem behandelnden Arzt noch vor Beginn der Strahlentherapie, da dieses Behandlungsschema bereits dann eingesetzt werden kann.

 

 

 

 

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